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Thema: Geesberts Abenteuer

  1. #21

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    Kapitel 19
    Der Überfall

    Ein ohrenbetäubender Lärm ließ Catinks aus ihrem Schlaf hochfahren. Es musste ganz in der Nähe ihrer Behausung etwas explodiert sein. Schnell sprang sie aus dem Bett und lief im Nachthemd bekleidet zum Fenster, durch das sie ein grauenvolles Szenario beobachten konnte. Der Himmel, an dem gerade die Sonne aufgegangen war, schien sich rot gefärbt zu haben, und dort, wo bis gestern noch die Festung gestanden hatte, loderte eine Feuersbrunst, durch die man nur noch Reste der einst so stolzen Mauern wahrnehmen konnte. Menschen liefen aufgeregt hin und her, schrien wild durcheinander und riefen nach dem Löschtrupp, der im Anmarsch war. Einige besonnene Bürger hatten schon angefangen, eine Löschkette zu bilden, die zumindest verhindern sollte, dass umliegende Häuser auch noch Feuer fangen konnten.

    Es war jedoch aussichtslos. Das Feuer griff schnell um sich und breitete sich aus. Die schockierten Menschen konnten nichts Anderes tun, als die Flucht zu ergreifen und zu hoffen, dass ihr Heim verschont bleiben würde. Nach und nach kamen noch andere Löschtrupps aus der ganzen Stadt zum Unglücksort und schafften es, das Feuer langsam in den Griff zu bekommen. Plötzlich drangen neue Schreie an ihr Ohr, panische Schreie aus einer anderen Richtung. War etwa noch ein Gebäude explodiert? Einen Knall hatte sie nicht gehört. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf diese neuen Geräusche und erschrak zutiefst, als sie bemerkte, wie sich eine Handvoll schwer bewaffneter Soldaten durch die Menge bewegten und hinter sich eine Spur von blutenden Leibern zogen.

    Catinks war wie gelähmt, als ihre Tür aufgerissen wurde und einer dieser Kämpfer in ihr Zimmer eindrang. Er rannte mit gezücktem Schwert auf sie zu, blieb vor ihr stehen, legte die Waffe an ihren Hals und bellte: „Auf die Knie, Weib! Und keinen Mucks!“

    Catinks tat, wie ihr befohlen wurde und hoffte, dass er sie am Leben lassen würde. Immerhin, noch hatte er ihr nichts getan, vielleicht hatte dieser Mensch etwas anderes im Sinn. Mit leiser spöttischer Stimme sprach er fast zärtlich auf sie ein, während er sein Schwert langsam in die Nähe ihres Herzens senkte: „Du bist also die Dame Catinks. Es freut mich, Euch kennenzulernen.“ Ein breites Grinsen erschien in seinem von Narben übersäten Gesicht. „Ich glaube, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Odegar Wallufsen von Nordbrigge. Ich nehme an, Ihr habt von mir gehört?“ Catinks wurde bleich. Dieser Unhold hatte vor kurzem ihre Schiffe überfallen, war aber anschließend von Grumbart vernichtet worden, wie sie von Dissnism erfahren hatte. Wie konnte das sein, dass er nun vor ihr stand und, was noch schlimmer war, dass er ihre Insel überfallen hatte?

    „Ich muss schon sagen, Ihr handelt mit vortrefflichen Waren. Ich verstehe gar nicht, warum Ihr mich noch nie besucht habt, um mir Eure Erzeugnisse anzubieten.“ Catinks schnappte empört nach Luft und wollte ihm gerade etwas entgegnen, als er sie mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte und sie mit barscher Stimme anfuhr: „Schweig! Ich rede jetzt.“ Sofort wurde er wieder leise, wie zuvor: „Aber jetzt, mein Täubchen, werden wir uns ganz sicher handelseinig. Ich verrate Dir, was just in diesem Moment auf Deiner Insel passiert.“ Er schaute sich im Raum nach einer Sitzgelegenheit um, befahl ihr, sich nicht zu bewegen, und holte sich einen Stuhl, den er rücklings vor sie hinstellte und sich, mit finsterem Blick auf sie gerichtet, daraufsetzte. Sein Schwert steckte er zurück in die Scheide ohne sie aus den Augen zu lassen und sagte: „Dieses Ding brauche ich ja nun nicht mehr, oder?“ Catinks wagte es nicht, sich zu bewegen. Dieser Mann war mindestens doppelt so schwer wie sie und einen Kopf größer. Was hätte sie denn für eine Chance gehabt, ihm zu entkommen.

    Voller falschem Mitgefühl sah er sie an und machte ihr klar, was er vorhatte: „In diesem Moment befindet sich ein kleines Vögelchen namens Hilde von Talghausen zu Memmenlohe-Fuchsheim in der Gewalt meiner Männer. Und ein gewisser Bischof hat sich dazugesellt. Leider sind es meine Männer nicht gewohnt, mit so herrschaftlichen Leuten entsprechend umzugehen. Ich fürchte, da habe ich in der Vergangenheit zu wenig Wert darauf gelegt. Also könnte es durchaus sein, dass diese hohen Leute leider zurzeit die Bequemlichkeit, die sie gewohnt sind, ein wenig missen müssen. Aber ich bin mir sicher, dass Ihr Abhilfe schaffen werdet, oder nicht?“ Catinks traute sich nicht, etwas zu sagen. Sie nickte nur mit Angstgeweiteten Augen, während die schrecklichsten Bilder in ihrem Kopf herumschwirrten.

    „Na also, wusste ich es doch, Ihr seid eine vernunftbegabte Frau – was man, mit Verlaub, im Übrigen nicht so häufig vorfindet. Ich mache Euch jetzt ein großzügiges Angebot:
    Ich verschone Euer Leben gegen eine Schiffsladung Eurer gar köstlichen Getränke, die Ihr hier herstellt. Ist das nicht fair? Und, wenn man es recht bedenkt, fast schon zu großzügig. Aber ich verrate Euch etwas: Ihr habt ein einnehmendes Wesen, das mir es nicht erlaubt, Euch zu schaden.“ Und nach einer kurzen Pause setzte er nach: „Was haltet Ihr von diesem Handel?“

    Catinks ertrug seine Grimasse, die höhnisches Wohlwollen ausdrückte, kaum mehr. Sie schaute auf den Boden, nickte ergeben und wollte gerade fragen, was denn mit dem Mädchen und dem Bischof sei, als er erneut seine Stimme erhob: „Jetzt fehlen uns nur noch die Handelsvereinbarungen, die meine beiden Geiseln der Freiheit zuführen werden. Aber hier bin ich mir noch nicht sicher, welch Handelsware geeignet wäre. Darüber werde ich mir in den nächsten Wochen meinen vielbeschäftigten Kopf zerbrechen und die beiden erst einmal als Gäste auf meine Insel bringen.“ Er lachte laut auf und fügte noch hinzu: „Da ich mit einem solch hohen Besuch nicht gerechnet habe, kann ich jedoch leider mit Luxus nicht dienen. Aber es wird schon gehen, wir werden uns ja bald handelseinig, nicht wahr, mein Herz?“

    Er stand auf, schritt Richtung Tür und hielt noch einmal kurz an, drehte sich zu Catinks um und sagte: „Ach, das hatte ich ja ganz vergessen, bitte lass eines Deiner größten Schiffe mit den Gütern füllen, ich nehme sie dann später gleich mit.“

    In der Zwischenzeit hatte man grob des Grafen Tochter und den Bischof aus deren Unterbringung gezerrt und vor den Augen der schockierten Bürger durch die Straßen hinunter zum Hafen gebracht. Vor lauter Angst hatten dem Mädchen mehrmals die Beine versagt, so dass sie nun mit aufgeschürften Knien unter ihrer notdürftig zusammengeglaubten Kleidung die Reling hochstolperte und hinter sich die leisen Gebete ihres Mithäftlings vernahm. Sie begriff noch nicht das ganze Ausmaß ihrer Lage und hoffte noch, gleich von den Bewaffneten ihrer Gastgeberin gerettet zu werden. Doch alles, was sie sah, wenn sie sich umdrehte, waren diese finsteren Gestalten, die sich nach und nach unten am Quai versammelten und lauthals johlten und lachten. Während sie ihre blutverschmierten Schwerter abwischten, machten sie sich einen Spaß, indem sie die verängstigten Bürger, die sich noch in der Nähe aufhielten mit groben Rufen beleidigten.

    Auf dem Deck des Schiffes angekommen, hörte sie plötzlich eine piepsende Stimme, die aus nächster Nähe zu ihr sprach. Es war Adalbertas Vater, der mit einem der Männer auf das Schiff gekommen war, um sich von dieser verhassten Insel schnellstmöglich zu entfernen. Er freute sich diebisch, dass sein Plan dermaßen gut funktioniert hatte. Jetzt sollten sie sehen, was sie davon hatten, einen Floh von Talghausen nicht ernst zu nehmen. Seine missratene Tochter konnte seinetwegen bleiben und diesen Taugenichts heiraten, das war ihm jetzt völlig egal geworden. Ein wenig trauerte er um den guten Diener, der in dem ganzen Durcheinander verloren gegangen war. Doch Alles in Allem war er mit dem Verlauf der Ereignisse hochzufrieden. Nun saß er auf Hildas Schulter und konnte nicht an sich halten, sie zu verhöhnen: „Na, Hilda, wie fühlt sich das an, wenn man nicht mehr das hohe Fräulein ist, sondern rumgeschubst und angebrüllt wird? Gewöhne Dich dran. Wenn Du Glück hast, darfst Du Deinem neuen Herrn dienen. Oder vielleicht wird er Dich zur Frau nehmen? Wie auch immer, ich hoffe, es wird Dir nun endlich auch mal schlecht ergehen.“

    Bevor Hilda etwas sagen konnte, sprang er ab, suchte sich ein gemütliches Fleckchen auf dem Schiff und freute sich auf die Überfahrt. Hilda und der Bischof wurden unterdessen unter Deck in einen leeren Lagerraum geworfen und dort in der Dunkelheit ihrem Schicksal überlassen. Stunden später spürten die beiden Gefangenen, wie sie aus dem Hafen ausliefen und gaben ihre Hoffnung auf Rettung vollends auf.



    Fortsetzung folgt ...

  2. #22

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    Kapitel 22
    Helden

    „Florinus, hast Du das auch gehört?“ Es war früh am Morgen, als Geesbert von einem dumpfen Geräusch wach geworden war. „Nö, was meint Ihr denn?“ Florinus rieb sich die Augen und schaute um sich. „Können wir nicht noch ein bisschen schlafen, Herr?“

    Ohne zu antworten lief Geesbert zum Fenster und sah auf die ruhig vor ihm liegende Insel, auf der sich offensichtlich nichts Außergewöhnliches ereignet hatte. Die Druckereien, die man auf Geesberts Island angesiedelt hatte, stießen ihren feinen Dampf aus den Schornsteinen aus, wie immer. Auch die weiter entfernten Manufakturen schienen ihren Betrieb schon aufgenommen zu haben und zeigten keinerlei Anlass zur Sorge.

    Hatte Geesbert sich geirrt? Aber nein, er war von einem weit entfernten Knall aufgewacht, da war er sich sicher. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Florinus hatte es sich in seinem Bett wieder gemütlich gemacht und war gerade dabei, wieder einzuschlafen, als Geesbert ihm zurief: „Wir müssen los, sofort. Auf Catinks Insel ist irgendetwas passiert, ich spüre es. Los Florinus steh auf und zieh Dich an!“

    Der Angesprochene maulte kurz, stand auf, zog seine neue Bediensteten-Uniform an und reichte seinem Herrn die extra für diesen Tag angefertigte Robe. Geesbert trieb ihn zur Eile an. Es wurde schnell ein Frühstück zusammengeglaubt, das sie auf der Überfahrt verspeisen wollten und schon liefen sie in Windeseile zum bereitliegenden Schiff. Der Kapitän erwartete sie schon, denn auch er hatte etwas vernommen, das nichts Gutes zu verheißen schien. Er selbst wollte möglichst schnell auf die Hauptinsel und dort nach dem Rechten schauen, denn er machte sich Sorgen um seine hochschwangere Frau.

    Von weitem sahen sie schon den Feuerschein am Himmel und fragten sich, was wohl geschehen sein könnte. Als sie in die Bucht einfuhren, die Catinks Insel vorgelagert war, erschraken sie sehr, denn im Hafen lagen Schiffe mit schwarzen Segeln, von denen sie schon gehört hatten. Geesbert hätte am liebsten dem Wind, der eher seicht war, befohlen, stärker zu blasen, um ihre Segel vollends zu füllen, damit sie ganz schnell festen Boden unter die Füße bekämen. Doch der Kapitän entschied sich sogar dazu, die Segel zu raffen, Anker zu werfen und das Beiboot startklar zu machen.

    „Mein guter Floh,“ rief er nach den erteilten Befehlen dem nervös auf und ab laufenden Geesbert zu, „Wir können nicht mit unserer ‚Aurora‘ einlaufen, das wäre zu gefährlich. Nicht, dass wir angegriffen werden.“ Geesbert nickte, sprang mit Florinus in das zu Wasser gelassene Boot und hoffte, dass die Matrosen gehörig an den Riemen zogen. Der Kapitän hatte sich dazu entschieden, nicht direkt am Hafen anzulanden, sondern ein wenig abseits, in der Näher seiner Behausung nämlich. Sie hörten gequälte Schreie, die ihnen das Mark in den Knochen erfrieren ließ und beeilten sich die Böschung hinaufzuklettern, um in die Stadt zu gelangen. Florinus und Geesbert liefen auf direktem Wege zu Catinks. Auf ihrem Weg begegneten ihnen flüchtende Menschen, teilweise mit versengtem Haar und panischem Blick in den Augen. Die ganze Insel roch nach Verbranntem Holz und es gab Stellen, wo sie vor lauter Rauch kaum mehr den Weg sehen konnten.

    Kaum im Hause angekommen, rannten die beiden erst einmal in den Keller, wo die Flöhe untergebracht waren und riefen lautstark nach Adalberta. Geesberts Herz hüpfte, als er das zarte Stimmchen seiner Liebsten vernahm. Ihr war scheinbar nichts passiert. Das schlaue Ding war offensichtlich in der Sicherheit, die der Keller bot, geblieben. Er riss die Tür auf und fand das Flohmädchen mit ihrer Zofe Gunhilde zusammengekauert in einer Ecke sitzen und vor Angst zittern. Als sie ihn sah, sprang sie auf, rannte auf ihn zu, warf sich in seine Arme und fing bitterlich an, zu weinen. Geesbert überließ sich kurz seinem Glücksgefühl, schloss die Augen und hielt sie ganz fest. Der Moment war im Nu vorbei und er besann sich der Gefahr, in der sie schwebten.

    „Was ist passiert?“ fragte er Gunhilde, seine schluchzende Adalberta noch immer im Arm haltend. Die Zofe schien sehr gesammelt, als sie ihm einen kurzen Überblick über die Geschehnisse aus ihrer Sicht gab:
    „Wir wurden heute Morgen von lauten Stimmen geweckt, die aus der Kammer des Flohs von Talghausen kamen. Sie waren so laut, dass man fast jedes Wort verstehen konnte. Der Talghäuser hat uns verraten! Er beschrieb ganz genau, wo sich die Gästeräume unseres Grafen und die der Dame Catinks befanden. Scheinbar war dieser Überfall von langer Hand geplant.“ Und zu Adalberta sagte sie: „Wir hätten ihm niemals vertrauen dürfen.“

    Adalberta nickte, schaute Geesbert mit Tränennassen Augen an und fragte: „Was sollen wir jetzt tun?“ Der Floh antwortete: „Wir müssen hoch zu Catinks, sie wird wissen, wie wir helfen können, diese Schurken wieder los zu werden.“

    Die Vier, Adalberta und Gunhilde, sowie Geesbert und Florinus, begaben sich in aller Eile auf dem schnellsten Weg zu Catinks Räumen. Vor ihrer Schlafstube hielten sie schwer atmend plötzlich an. Eine tiefe fremde Stimme war zu hören, die auf Geesberts Herrin einzureden schien. Sie krochen unter der Tür durch in den Raum hinein und mussten mitansehen, wie Catinks auf dem Boden sitzend von diesem Halunken mit einem Schwert bedroht wurde.

    Mit Schaudern hörten sie dem Monolog dieses Mannes bis zum Ende zu und liefen, nachdem er endlich den Raum verlassen hatte zu ihr. „Herrin,“ Geesbert war auf ihre Schulter gesprungen und piepste ihr ins Ohr. Sie erschrak zutiefst, drehte sich zu ihm und versuchte, das soeben Erlebte abzuschütteln. „Geesbert …“ raunte sie mit schwacher Stimme, „wo kommst Du denn her?“ In diesem Moment öffnete sich erneut ihre Tür und Dissnism, ihr treuer Freund betrat den Raum. Eiligen Schrittes lief er auf sie zu, packte sie grob an den Schultern, wo der Floh sich gerade noch festhalten konnte, und rief ihr zu: „Catinks, der Bischof und das Grafentöchterchen wurden soeben verschleppt. Wir machen jetzt Folgendes…“ Froh, ihn zu sehen und Anweisungen zu erhalten, wachte sie vollends aus ihrer Erstarrung auf und hörte ihm aufmerksam zu.

    „Du sammelst jetzt auf der Stelle die unverletzten Männer auf dem Marktplatz im Norden, der nämlich nicht in Mitleidenschaft gezogen ist, und gibst ihnen Anweisung, sich bewaffnet auf Deine Schiffe zu begeben, nachdem Wallufsen abgelegt hat.“ Catinks nickte eifrig und wollte schon los spurten, als er sie noch einmal zurückhielt: „Was soll die Schiffsladung Deiner Waren übrigens bedeuten?“ Mit gesenktem Blick erzählte sie ihm kurz, was Wallufsen von ihr verlangt hatte. Er zog geräuschvoll den Atem ein, fluchte und nahm endlich die Flöhe wahr, die die Szenerie aufgeregt verfolgt hatten.

    Geesbert sprang zu ihm rüber und – um ihn vollends ins Bild zu setzen – erzählte ihm von dem Verrat, wie es Gunhilde geschildert hatte. Und noch ein Fluch entfuhr Dissnism, bevor er befahl, dass sich die Flöhe mit an Bord begeben sollten. Sie waren die einzigen, die im stattfindenden Gemetzel diesen verräterischen Floh festsetzen konnten. Aber die Vier sollten zusehen, dass sie sich auch bewaffneten und rüsteten.

    So stoben alle aus dem Raum, jeder mit einer Aufgabe betraut. Dissnism hatte schon Frauen aus der Bevölkerung zusammengerufen, die sich um die Verletzten zu kümmern hatten. Der Brand war fast gelöscht und es wurde sichtbar, dass die Festung nicht ganz so viel abbekommen hatte, wie es zuerst geschienen hatte. Er eilte nun zu Grumbart, der in der Zwischenzeit, Dissnisms Mannen gesammelt hatte, die nun ihrerseits den Auftrag bekamen, Waffen und Rüstungen zusammenzutragen, die der notdürftig zusammengestellten Rettungs¬mann¬schaft vor dem Besteigen der Schiffe ausgehändigt werden sollten.

    Wallufsen war endgültig abgezogen. Der Abend dämmerte bereits, als eine Armada von zwanzig Schiffen in See stach. Es hatten sich hunderte bereit erklärt, gegen diese Halunken in die Schlacht zu ziehen. Darunter waren auch viele von denen, die am Morgen als Catinks Gäste empfangen worden waren, denn man war empört über diesen feigen Überfall und verstand es als selbstverständlich, dabei zu sein, wenn diesem unverfrorenen Missetäter nun endlich der Garaus gemacht wurde.

    Die vier Flöhe waren sich nicht sicher, wie sie mit Adalbertas Vater verfahren sollten. Das Flohmädchen war erschüttert ob der Boshaftigkeit ihres Vaters. Und dies noch mehr, als ihr Gunhilde nun endlich erzählt hatte, was er mit ihr in der Gefangenschaft angestellt hatte. Adalbertas Liebe zu ihm war nun vollends verschwunden. Nur die Wut auf ihn war übriggeblieben. Sie entschieden sich, Dissnism, der sich gerade mit Grumbart beratschlagte, aufzusuchen, um ihn um Rat zu bitten.

    Dissnism und Grumbart mussten lächeln, als sie der vier voll bewaffneten und in Rüstungen steckenden Flöhe gewahr wurden. „Nun meine Lieben, was kann ich für Euch tun?“ Dissnism beugte sich zu ihnen herab und sah jedem Einzelnen nacheinander in die Augen. Geesbert, als gewählter Anführer dieser kleinen Schar, übernahm das Wort: „Herr, was sollen wir mit dem Floh von Talghausen machen, wenn wir ihm habhaft geworden sind?“ „Hmmm, eine gute Frage…“ Grumbart schaute ihn neugierig an und wartete mit den Flöhen auf die Antwort. „Also,“ sagte Dissnism nach einiger Überlegung, „Ihr vier werdet ihn gefangen nehmen und in Ketten legen. Er wird, sobald wir zurück zu Catinks sind, einem ordentlichen Gericht zugeführt und verurteilt werden. Und Ihr, Geesbert, werdet den Vorsitz übernehmen.

    Man konnte sich ja denken, was dabei rauskommen würde, dachte sich Geesbert. Da könnte man ihn ja auch gleich verurteilen. Aber, wer weiß, dachte er weiter, ob wir ihn überhaupt antreffen werden. Man hatte zwar gesehen, wie ein Floh Wallufsens Schiff betreten hatte, aber niemand hat weiterverfolgt, wo dieser anschließend hingegangen war.

    Am nächsten Morgen, um die zehnte Stunde rum, erblickten die Verfolger die acht Schiffe des Herrn von Wallufsen in einer Bucht liegen. Es war ruhig auf Deck, was wohl bedeutete, dass die Halunken noch schliefen. Einzig ein Ruf aus deren Ausguck ließ befürchten, dass sie eine Wache abgestellt hatten, die jetzt ihre Kumpane vor einem Überfall warnte. Doch war es schon zu spät. Dissnism und Grumbart bellten schon den Befehl zum Entern, da die Warnung zu spät gekommen war.
    Und das Schlachtengetümmel begann. Die Retter waren jedoch dermaßen in der Überzahl, dass es keine Stunde dauerte, bis die Überraschten geknebelt und gefesselt auf Deck lagen.

    Grumbart hatte sich von dem Hauptkampfplatz jedoch entfernt. Er hatte noch eine persönliche Rechnung mit dem Lord zu begleichen. Der ehemalige Pirat war es nicht gewohnt, dass er zweimal vom selben Mann angegriffen wurde. Und so hatte sich während des Überfalls auf Catinks Insel eine enorme Wut in ihm aufgestaut. Er musste sich vorwerfen, dass er beim ersten Kampf gegen die Leute dieses Mannes die falsche Entscheidung getroffen hatte. Er hätte damals zu dessen Insel fahren sollen und ihm für die Zukunft diese hinterhältigen Taten austreiben sollen. Aber dies wollte er jetzt nachholen. Er kämpfte sich bis zur Kapitänskajüte vor, wo er seinen Widersacher vermutete und betrat den Raum.

    Lord Wallufsen saß siegessicher vor einem Becher Wein und erbleichte, als er die Gestalt Grumbarts erblickte. Schnell schaute er sich um, ob er eine Waffe griffbereit in der Nähe liegen hatte. Doch, selbst wenn da eine gelegen hätte, er hätte die Zeit nicht mehr gehabt, sie zu ergreifen und sich gegen den Piraten zu wehren. Grumbart war schnell über den Tisch gesprungen und ließ sich schwer auf den Mann fallen. Mit gebleckten Zähnen knurrte er ihn an, er solle keinen Mucks von sich geben, da er ansonsten gleich des Todes sei.

    Grumbart fesselte seine Arme und Beine und zog ihn an den Haaren aus dem Raum, schleifte ihn die Stufen zum Deck hoch und stieß ihn auf die nackten Planken, die vom Kampf rot gefärbt waren. Dann nickte er Dissnism zu, der gerade einem seiner Matrosen zu Hilfe beim Verschnüren eines Gefangenen gekommen war, und machte sich auf die Suche nach den beiden Geiseln.

    Während der Kampf oben tobte, hatten sich die Flöhe in den Bauch des Schiffes begeben und suchten nach Adalbertas Vater. Geesbert vermutete, dass der sich ein bequemes Versteck gesucht hatte und es wohl schwierig werden würde, ihn zu finden. Doch weit gefehlt. Sie hatten die unterste Stufe noch nicht ganz erreicht, als er plötzlich vor ihnen stand. Er machte den Eindruck, als sei er glücklich, sie zu sehen und rief: „Adalberta, mein geliebtes Kind, hast Du mich endlich gefunden? Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass ich befreit werde.“

    Adalberta und die anderen schauten ihn verwundert an. Sie wäre ihm fast auf den Leim gegangen, wenn nicht ihr geliebter Geesbert ausgerufen hätte: „Du Lügner, Du Verräter … Wir sind ganz und gar nicht hier, um Dich zu retten. Das Gegenteil ist der Fall.“ Zu spät erkannte der Verräter, dass sein Spiel aus war. In dem Moment, in dem er seine Flucht antreten wollte, sprangen Geesbert und Florinus gleichzeitig auf ihn zu, packten ihn und brachten ihn zu Fall. Gunhilde war außer sich vor Wut über die Frechheit, die ihr ehemaliger Herr besaß, sie schon wieder betrügen zu wollen. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie sie ihr Schwert in seine Richtung gehalten hatte. Doch als sie ein Erschüttern ihres Handgelenkes bemerkte, war es schon geschehen. Der bösartige Floh war genau in ihre Waffe gestürzt und lag nun reglos da.

    Stunden später, als die Schlacht geschlagen war, die Bösewichter in Ketten liegend verstaut waren, die Geiseln glücklich befreit mit ihren Helden um den Tisch herumsaßen, machte sich eine große Müdigkeit breit. Man hatte sich den Kampf nochmal vor Augen geführt, versuchte, Adalberta ob ihres Verlustes zu trösten und war sich aber grundsätzlich einig, dass es so, wie es gekommen ist, das Beste war.


    Fortsetzung folgt ...

  3. #23

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    Kapitel 23
    Die Heimkehr

    Während alle schon tief schlafend in ihren Kojen lagen, saßen noch zwei Gestalten in warme Umhänge gehüllt an Deck und unterhielten sich leise. Es war eine klare Nacht, die sie die Strapazen des letzten Tages vergessen und Entspannung finden ließ. Hilda schaute immer wieder nach oben, wo sie die herrlich blinkenden Sterne und den gerade aufgehenden Vollmond beobachtete, während ihr Grumbart von seinen Abenteuern erzählte. Hilda war sehr beeindruckt von diesem Mann, der sie gerettet hatte und dem sie sich sehr nah fühlte. Sie genoss die kühle Nacht und spürte ein kleines bisschen Traurigkeit über das Ende dieser vertraulichen Nacht, als der nächste Tag sein Kommen mit einem atemberaubenden Morgenrot ankündigte. Endlich wurden auch die beiden von Müdigkeit übermannt, so dass auch sie sich zu ihren Kojen begaben und, kaum dort angekommen, sofort in tiefen Schlaf fielen.

    Am späten Nachmittag erschallte dann der Ruf „Land in Sicht“ vom Ausguck, der die Besatzung der Flotte in fieberhafte Landungsvorbereitungen versetzte. Die vier Flöhe begaben sich sofort neugierig zum Oberdeck und beobachteten nun, wie Geesberts Heimat, von letzten Rauchschwaden umgeben, am Horizont auftauchte. Adalberta und der glückliche Geesbert standen Hand in Hand nebeneinander und waren sich plötzlich bewusst, dass sie es wohl endlich geschafft hatten, in eine gemeinsame Zukunft blicken zu dürfen. Es würde wohl noch einige Zeit brauchen, bis das Mädchen ihren schweren Verlust überwinden konnte, doch an der Seite dieses Flohs wäre auch das zu schaffen. Der Schock über das wahre Wesen ihres Vaters hatte sie sehr mitgenommen, und Geesbert wusste das. Er würde alles daransetzen, sie glücklich zu machen und ihr ein ruhiges Leben zu bieten.


    Catinks, der Graf und die Gräfin standen mit all jenen am Kai, die nicht mehr mit Aufräumarbeiten auf der Insel beschäftigt waren, und beobachteten, wie die Schiffe nach und nach anlegten und ihre Besatzungen an Land kamen. Die tapferen Männer wurden mit lauten Hurrarufen begrüßt und von ihren Familien fest in die Arme genommen. Man war außerordentlich beglückt, dass es kaum Verwundete gab. Und die, die doch Blessuren davongetragen hatten, wurden in das für diesen Zweck errichtete Zelt gebracht und sofort versorgt. Während die wiedervereinten Familien langsam nach Hause trotteten, stand Catinks mit ihrer Schar noch am Ufer, ihrer Wiedersehensfreude freien Lauf lassend. Es flossen Tränen vor Glück, Schultern wurden geklopft und gegenseitige Glückwünsche verteilt.

    Die Gräfin hielt ihre Tochter im Arm, als wolle sie sie gar nicht mehr loslassen, während der Vater die vielsagenden Blicke bemerkte, die zwischen Hilda und Grumbart ausgetauscht wurden. Daraufhin besah er sich diesen abenteuerlich anmutenden Herrn etwas genauer und stellte erstaunt fest, dass Eifersucht in ihm aufwallte. Er kannte seine Hilda sehr genau und spürte plötzlich, dass da einer war, der sie ihm wegnehmen könnte. Doch diese Gefühlswallung verschwand genauso schnell wieder, wie sie gekommen war. Dankbar und herzlich streckte er diesem tapferen Kämpfer beide Hände entgegen, nachdem er von seiner Tochter die Geschichte ihrer Befreiung vernommen hatte. Grumbart erwiderte freudestrahlend diese Geste, was Dissnism dazu veranlasste, seinem Waffenbruder kräftig auf die Schulter zu klopfen.

    Auf dem Weg zu Catinks Palast, wo für alle ein bescheidenes Mahl vorbereitet worden war, staunten sie nicht schlecht, wie fleißig die Menschen in der Zwischenzeit gewesen waren. Alles in Allem hatte man den hinterhältigen Überfall einigermaßen gut und erstaunlich schnell überstanden.
    Es war kaum vorstellbar, dass zwei Tage zuvor noch panische Angst und ein heilloses Durcheinander geherrscht hatte und es danach aussah, dass es Wochen dauern würde, bis der Alltag auf Catinks Insel wieder Einzug halten könnte. Man hatte sogar schon angefangen, die Mauern der Festung, die von der Detonation zerstört worden waren, wieder instand zu setzen. Es hatte sich herausgestellt, dass Wallufsens Leute das Munitionslager, das Gott sei Dank nicht mitten im Gebäudes untergebracht war, in die Luft gesprengt hatten. Als die Feuer gelöscht waren, konnte man erkennen, dass nur der westliche Festungsflügel in die Luft gegangen war. Man brachte die Gefangenen in den großen Kellerraum der noch unversehrten Festung, wo jetzt auch deren Wunden, die teilweise weitaus schwerwiegender als die der eigenen Leute ausgefallen waren, versorgt wurden. Eigentlich hätte man nicht übel Lust gehabt, diese Brut einfach ihrem Schicksal zu überlassen, doch Wallufsens Männer sollten auf Catinks Befehl hin gut versorgt werden, da in den nächsten Tagen eine Gerichtsverhandlung geplant war, die über die Zukunft dieser Menschen entscheiden sollte.

    Der Inselrat wurde einberufen, an dem auch die Gäste aus dem Süden und der Bischof teilnehmen sollten, um mit den Verhandlungen beginnen zu können. Wie zu erwarten war, gab es kaum Stimmen, die ein gutes Wort für die Delinquenten einlegen würden, so dass der Rat schnell entschieden hatte, was die Gefangenen zu erwarten hatten. Der Graf selbst hatte vorgeschlagen, Lord Wallufsen ins Exil zu schicken. Es gab eine Insel in seiner Umgebung, die abseits jeglicher Handelsroute lag, dass sie sich geradezu anbot, als neuer Heimatort eines Exilanten zu fungieren. Gleichzeitig war sie aber auch so beschaffen, dass der dort Wohnhafte alle Güter, die er für ein bescheidenes Leben brauchte, vorfinden würde, sofern er gewillt war, mit Fleiß dafür zu sorgen, dass sie ihm auch zukünftig erhalten blieben. Mit anderen Worten, er war selber dafür verantwortlich, dass ihm die Nahrung nicht ausgehen würde. Man verurteilte die, die am schlimmsten gewütet hatten, dieses Schicksal mit ihrem Kommandanten zu teilen und brachte sie noch am selben Tag zum Schiff, das sie endgültig wegschaffen sollte.

    Während der Verhandlung gab es aber auch einige Fürsprecher, die sich mit den – in ihren Augen – fehlgeleiteten Männern mitleidig zeigten. Immerhin handelte es sich hier um Männer, deren Familien auf ihre Rückkehr angewiesen waren. Vor ihrer Rekrutierung hatten sie sich als ganz gewöhnliche Bauern und Handwerker verdingt, wie nun rauskam, und hatten nur wegen brutalem Zwang ihres Herrn gehandelt. Dieses Argument überzeugte den Rat, der zu folgender Lösung kam: Nordbrigge, das ehemalige Zuhause des Lords Wallufsen, sollte in Zukunft von einem Statthalter regiert und in die gut funktionierende Inselgemeinschaft der umliegenden Reiche eingegliedert werden. Sobald ein entsprechender Mann – oder eine Frau – ausgewählt worden war, der dieses Amt ausfüllen würde, sollte sich dieser umgehend mit den Freigesprochenen nach Nordbrigge begeben, um die Menschen dort mit milder Hand in das neue Bündnis zu führen.

    Geesbert hatte noch am Tag vor Beginn der Verhandlungen Catinks darum gebeten, mit seinen Artgenossen ihre Insel verlassen zu dürfen, um endlich seine Verlobte in sein neues Heim führen zu können. Catinks entsprach mit Freude seiner Bitte, entließ ihn aber mit dem Befehl, er möge sich mit seiner Entourage am ersten Tag der übernächsten Woche wieder bei ihr einfinden. Sie möchte sich dann bei einer Festlichkeit in aller Form bei ihm bedanken und ihm bei dieser Gelegenheit einen Herzenswunsch erfüllen.

    Voller Vorfreude bestieg er mit seiner Liebsten und den besten Freunden, die er sich nur vorstellen konnte – nämlich Gunhilde und Florinus – das Segelschiff, das ihn in sein neues Leben bringen sollte. Vergessen waren die schrecklichen Momente, in denen er und Adalberta sich fast der Verzweiflung ergeben hätten, vergessen, die Kräfte, die gegen sie gearbeitet hatten. Sie genossen die kurze Überfahrt an deren Ende Geesbert seiner Adalberta helfen würde, den ersten Schritt vom Schiff auf die Erde des gemeinsamen Zuhauses zu setzen.

    Adalberta war tief beeindruckt, als sie sah, was Geesbert für sie geschaffen hatte und er glühte förmlich vor Stolz. Die nächsten Tage waren angefüllt damit, die Räume nach Adalbertas Geschmack umzuräumen und gemütlich zu machen, Gunhilde und Florinus zukünftige Aufgaben festzulegen und stundenlangem Zusammensitzen, reden, sich tief in die Augen des Anderen zu versenken, weite Spaziergänge zu unternehmen, um die ganze Insel zu inspizieren und – nicht zuletzt – ausgiebig zu schlafen. Je näher der Tag rückte, an dem sie von Catinks zurück erwartet wurden, desto unruhiger wurde Geesbert. Ihm schien die Zeit wie im Fluge vergangen zu sein, als die Vier sich erneut zum Hafen begaben, um sich zur Überfahrt einzuschiffen.


    Fortsetzung folgt ...

  4. #24

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    Kapitel 24
    Hochzeit

    Die Flöhe staunten nicht schlecht, als sie die Abordnung entdeckten, die sie vom Schiff abholen sollte. Vor einer mit Blumengirlanden geschmückten offenen Kutsche, in der Hilda und Grumbart saßen, waren sechs weiße Rösser gespannt, die ihrerseits mit einem Bewurf aus feinstem Brokat bedeckt waren und bunte Federbüschel am Kopf trugen. Umrahmt war die Szenerie von einer Menschenmenge, die in ihrem Sonntagsstaat den ganzen Morgen auf die Ankunft der flöhischen Helden gewartet hatte, um sie nun gemeinsam zu Catinks Palast zu begleiten. So etwas hatten die vier nicht erwartet und schauten sich verunsichert an. Galt das alles tatsächlich ihnen? Adalberta strahlte ihren Geesbert an und stupste ihn ein wenig nach vorne. Er zögerte, nahm dann aber ihre Hand und schritt mit ihr hocherhobenen Hauptes die Gangway hinunter, dicht gefolgt von den stolzen Freunden Gunhilde und Florinus.

    Ein ohrenbetäubendes Hurragerufe setzte ein, als die vier nacheinander die Kutsche bestiegen. Grumbart nickte ihnen lächelnd zu, beugte sich zu Hilda und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Daraufhin streckte sie ihre offene Hand den Flöhen entgegen, sodass die Vier an ihr hochkrabbeln konnten und nun, während die Kutsche sich in Bewegung setzte, einen wunderbaren Blick hatten. Hilda und Grumbart kuschelten sich aneinander und genossen die kurze Fahrt in diesen herrlichen Tag, der auch für sie der Start in ein gemeinsames Leben sein sollte.

    Catinks stand gemeinsam mit Dissnism und Hildas Eltern vor dem großen Tor, als die Kutsche vorfuhr und bedeutete den Flöhen, schnell auszusteigen und ihr ins Haus zu folgen. Sie führte sie in ihr eigenes Ankleidezimmer, wo vier Roben bereitlagen, die aussahen, als seien sie für Könige – natürlich Miniaturkönige – gemacht. Sie sollten sich mit dem Umziehen beeilen, denn schon in Kürze würde der Bischof sie in der Kathedrale erwarten, um eine ganz bestimmte Zeremonie mit ihnen zu begehen.

    Die Fahrt zur Kirche schien ihnen wie im Traum. Die ganze Stadt war geschmückt, die Straßen mit Blüten bedeckt und die Glocken der Kathedrale spielten den Hochzeitsmarsch für sie. Gunhilde hielt ein Taschentuch vor ihre Augen, denn sie war vom Glück dermaßen übermannt, dass sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Auch Hilda wischte verstohlen die ein oder andere Glücksträne von ihrer Wange, als sie endlich an ihrem Ziel angekommen waren. Ein Diener stand schon bereit, um die Flöhe auf die Erde setzen zu können und stand bereit, um auch Grumbart und Hilda zu helfen. Eine feierliche Melodie erklang aus dem Inneren der Kirche, während die Hochzeitsgäste ihre Plätze einnahmen und auch Gunhilde und Florinus gebeten wurden, sich zu ihren Stühlen ganz vorne bei Catinks, Dissnism und den gräflichen Brauteltern zu begeben. Plötzlich begannen alle Glocken in der Stadt, zu läuten, die beiden Paare, angeführt von Adalberta und Geesbert betraten das Gotteshaus und schritten gemessen zum Altar.
    Links und rechts hörte man immer wieder kleine Schluchzer vor Rührung als die herrlich anzuschauenden Bräute und deren Bräutigame an ihnen vorbeizogen.

    Es war eine wunderbare Trauung, von der man sicherlich noch lange reden würde. Der Bischof hatte eine der schönsten Predigten gehalten, die die Insel jemals gehört hatte – auch wenn sie etwas lang war und die beiden Paare sich die Beine in den Bauch stehen mussten – und vollzog das eigentliche Ritual besonders huldvoll und das gleich im Doppelpack. Großer Jubel brandete auf, als endlich die Küsse ausgetauscht wurden und man sich raus begab, um die Vier mit dem obligatorischen Reis zu bewerfen und sich zu den vielen Plätzen zu begeben, wo es zu essen, trinken und feiern gab, denn heute sollten alle glücklich sein. Niemand sollte an diesem Tage Trübsal blasen oder an seine Sorgen denken müssen.

    Und hier endet unsere kleine Geschichte. Es sei noch gesagt, dass Geesbert mit seiner Adalberta ein äußerst glückliches Leben mit vielen Kindern und Kindeskindern vor sich hatte. Grumbart und Hilda übernahmen als Statthalter Nordbrigge – die Insel, auf der Lord Wallufsen vorher gelebt hatte – und machten sie zu einem Juwel im ganzen Inselreich. Auch sie bekamen Kinder, die nach dem Tod der Eltern deren Arbeit gemeinsam fortsetzten.

    Catinks und der Graf von Talghausen zu Memmenlohe-Fuchsheim wurden Freunde und gründeten eine Hanse, die sich in alle Weltmeere ausweitete und von der die Lebewesen der Erde bis heute profitieren.


    … Ende

  5. #25
    Avatar von DiruKamachi
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    *applaudiert sich besinnungslos
    Die Geschichte hat einfach alles: Liebe, Intrigen, Krieg und Blut, und ne Doppelhochzeit. Ganz toll, wirklich. Ich hab deine Geschichte regelrecht verschlungen und auch wenn es langsam peinlich wird, aber verdient hast du es: Super duper extrem schöne Geschichte. Danke vielmals Catinks >^.^<
    Die Serie Dexter läuft seit 2006. Seit 2007 gibt es den Long Island Killer, der wahrscheinlich immer noch aktiv ist und bisher nicht von der Polizei geschnappt werden konnte. 11 Leichen, alle erwürgt und in Säcke verpackt. Man vermutet der Täter ist Polizist.
    Vielleicht gibt es so viele Verbrecher, weil das Fernsehen so viel Werbung für Kriminalität macht!

  6. #26

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    Hey Diru,

    danke, danke, danke, danke!!!!!!!!! Mir laufen gerade die Freudentränen die Wangen runter Und nochmal: Danke!!!!!!!!

  7. #27

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    ... Und hier noch das Zuhause der lieben Flöhe:

    Geändert von Catinks (16.10.17 um 18:31 Uhr)

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